1. Kapitalmarktumfeld

2. Entwicklung der Anleihe-, Aktien- und Immobilienmärkte

3. Anlage-Strategie der ERGO

 

1. Kapitalmarktumfeld

Die weltweiten Kapitalmärkte werden vor allem durch folgende Themen geprägt:

Die Schuldenkrise in Europa

Anfang des Jahres stufte die Ratingagentur Standard & Poors die Kreditwürdigkeit Frankreichs und acht weiterer EU-Staaten sowie des Euro-Rettungsfonds EFSF herab. Unmittelbar danach konnten Frankreich und der EFSF dennoch problemlos Geld am Kapitalmarkt aufnehmen.

Die Eurostaaten verständigten sich nach monatelangen Verhandlungen endgültig auf das zweite Griechenland-Hilfspaket in Höhe von 130 Milliarden Euro. Vorher hatten rund 86 Prozent der privaten Investoren freiwillig einem Schuldenschnitt gegenüber dem griechischen Staat zugestimmt. Zusätzlich hat Griechenland durch rückwirkend eingeführte Umschuldungsklauseln private Gläubiger zur Teilnahme am Schuldenschnitt zwangsverpflichtet. Fitch stufte als Konsequenz aus der Umschuldungsaktion als erste Ratingagentur die Kreditwürdigkeit Griechenlands wieder deutlich hoch. Der internationale Derivateverband ISDA legte fest, dass durch den teilweise erzwungenen Forderungsverzicht die Auszahlung von Kreditausfallversicherungen an Griechenland-Gläubiger ausgelöst wird.

Außer Großbritannien und Tschechien unterzeichneten die EU-Staaten ein gemeinsames Abkommen - den Fiskalpakt - und verpflichteten sich damit zu mehr Haushaltsdisziplin und zur Einrichtung nationaler Schuldenbremsen. Den Euro-Randstaaten droht die Gefahr, dass die mit Aufbauprogrammen angestrebten Wachstumseffekte in der Wirtschaft deutlich langsamer greifen als die durch die teilweise radikalen Sparmaßnahmen ausgelösten Schrumpfungseffekte. Für Spanien akzeptieren die Euro-Finanzminister für 2012 einen höheren als den ursprünglich vorgesehenen Neuverschuldungsgrad. Die Euro-Gruppe stellt dabei auf die Einhaltung des Drei-Prozent-Zieles für 2013 als entscheidendes Kriterium ab.

Das Augenmerk der Finanzmarktteilnehmer ist weiterhin auf politische Risiken gerichtet.

Die Europäische Zentralbank (EZB) bot im Rahmen ihrer expansiven (ausdehnenden) Geldpolitik im Februar zum zweiten Mal günstige Darlehen mit einer Laufzeit von bis zu drei Jahren an. Rund 800 Finanzinstitute nahmen die Rekordsumme von mehr als einer halben Billion Euro auf. Die dahinter stehende Idee der EZB ist die Belebung sowohl des Kreditgeschäfts als auch des (europäischen) Anleihemarktes.

Die Bundesregierung billigte im März den Gesetzentwurf für den dauerhaften Euro-Rettungsschirm sowie dessen Finanzierung. Der künftige europäische Stabilitätsmechanismus (ESM) für Euro-Länder soll im Juli starten und den Hilfsfonds EFSF ablösen. Ende März einigten sich die Euro-Finanzminister auf eine Aufstockung der Hilfsmittel von ursprünglich 500 auf 700 Milliarden Euro. Außerdem sollen noch etwa 100 Milliarden Euro aus dem ersten Rettungspaket für Griechenland und EU-Hilfskredite angerechnet werden.        

Die Schuldenproblematik der USA

Die Verschuldungsobergrenze der USA ist unter Präsident Barack Obama mehrfach angehoben worden und beträgt seit der Erhöhung am 30. Januar rund 16,4 Billionen Dollar. Der Arbeitsmarkt in den USA hat sich positiv entwickelt und die Wirtschaft wächst solide.  

Irankonflikt - Auswirkungen auf den Ölpreis

Die Entwicklung des Ölpreises zeigte im 1. Quartal deutlich nach oben, was auch auf den Konflikt mit dem Iran um dessen Atomprogramm zurückzuführen ist. Die beschlossene EU-Handelssperre mit Wirkung spätestens ab dem 1. Juli hat der Iran seinerseits vorzeitig mit dem Stopp der Erdöllieferungen, zunächst nach Frankreich und Großbritannien, beantwortet. Stattdessen soll verstärkt nach China, Indien und Japan geliefert werden. Die USA haben ebenfalls eine Reihe von Sanktionen gegen den Finanz- und Energiesektor des Irans erlassen, um das Land im Streit über das Atomprogramm zum Einlenken zu bewegen. Die Diskussionen um den Iran als einem der größten Ölexporteure der Welt sowie mögliche militärische Interventionen bergen Konfliktpotenzial und können den Ölpreis und damit die Preissteigerungsrate weiterhin belasten.     

2. Entwicklung der Anleihe- Aktien und Immobilienmärkte

Die Nachfrage nach den als sicher geltenden Papieren wie deutsche Staatsanleihen und Pfandbriefe ist weiterhin gestiegen. Die Renditen sind demzufolge auf noch niedrigere Niveaus gesunken. Pfandbriefe sind von dieser Entwicklung im 1. Quartal 2012 noch vergleichsweise stärker betroffen, weil sie besondere Sicherheitsmechanismen aufweisen und gegenüber Staatsanleihen möglicherweise inzwischen einige Vorbehalte bestehen. Das Interesse der Anleger, nach attraktiven höherverzinslichen Anlagemöglichkeiten Ausschau zu halten, hat sich erhöht. Die Risikobereitschaft der Anleger hat zugenommen. Hierzu haben vor allem positive Wirtschaftsdaten, der Fiskalpakt und die expansive Geldpolitik der EZB beigetragen. Die Nachfrage nach kurzlaufenden Risikopapieren, darunter zum Beispiel auch Staatsanleihen der Euro-Randstaaten, ist deutlich gestiegen.

Die weltweiten Aktienmärkte haben sich im 1. Quartal durchweg positiv entwickelt. Scheinbar unbeeindruckt von der europäischen Schuldenkrise konnte der bedeutende europäische Index EuroStoxx 50 stark zulegen. Der deutsche Aktienindex DAX zeigte sogar einen der spektakulärsten Jahresstarts aller Zeiten. In den ersten drei Monaten 2012 gewann der DAX zeitweise über 20 Prozent gegenüber dem Vorjahresende. Gründe hierfür sind auch die großzügige Versorgung des Bankensystems mit Finanzmitteln durch die EZB, aber auch die stabilisierenden Wirtschaftsdaten.

Ende März, Anfang April gaben die Aktienmärkte unter anderem wegen schlechter US-Arbeitsmarktdaten und Sorgen vor einer Abkühlung der chinesischen Wirtschaft nach. Zudem wächst die Angst vor einer neuen Eskalation der Euro-Krise.

Trotz der anhaltenden wirtschaftlichen Unsicherheiten zeigen die Immobilienmärkte des europäischen Kernbereichs weiterhin eine stabile Miet- und Auslastungssituation. Lediglich die PIGS-Staaten (Portugal, Italien, Griechenland, Spanien) sehen sich einer zunehmend schwachen Nachfrage gegenüber. In den USA sorgt ein zögerlicher wirtschaftlicher Aufschwung für positive Impulse in den Bürovermietungsmärkten. Wohnimmobilien in den deutschen Top-Standorten versprechen weiterhin eine positive Miet- und Wertentwicklung.       

3. Für die Anlage-Strategie der ERGO bedeutet das:

  • Unsere Lebensversicherer unterliegen hinsichtlich ihrer Kapitalanlage zum Schutz der Versicherten strengen rechtlichen Vorgaben, deren Einhaltung wir ständig überwachen. 
  • Bei unserer Kapitalanlage steht im Vordergrund, jederzeit die Verpflichtungen gegenüber den Versicherten bedienen zu können.
  • Wir investieren nur in Vermögenswerte, von denen wir ein angemessenes Chancen-/Risikoverhältnis erwarten. Sicherheit steht bei unseren Anlageentscheidungen im Vordergrund.
  • Die Kapitalanlage unserer Lebensversicherer ist zum einen langfristig ausgerichtet, zum anderen breit über verschiedene Anlageklassen gestreut.
  • Den Schwerpunkt unserer Kapitalanlage bilden festverzinsliche Wertpapiere wie etwa Pfandbriefe oder Staatsanleihen etc. Darüber hinaus investieren wir unter anderem in Immobilien, Aktien und Beteiligungen.

Die folgende Grafik zeigt beispielhaft die Portfoliostruktur der ERGO Lebensversicherung AG (Marktwertbasis):

 Portfoliostruktur der ERGO Leben im 1. Quartal 2012

Stand: 31. März 2012

  • Unser Wertpapierbestand zeichnet sich dadurch aus, dass er zum großen Teil aus Zinsträgern von Emittenten mit einer hervorragenden Bonität besteht. Die ERGO Lebensversicherung AG hält insgesamt Anlagen im Wert von rund 42 Milliarden Euro. Davon sind lediglich rund 4,2 Prozent in Staatsanleihen der Länder Portugal, Irland, Italien, Griechenland und Spanien investiert.
  • Wir halten die Kreditwürdigkeit der europäischen Staaten weiterhin unter Beobachtung. Zudem überwachen wir in einem Limitsystem, dass bestimmte Anlagesummen pro Land nicht überschritten werden.
  • Die deutliche Ausweitung der Geldmenge hat zu einer Entspannung der Preise insbesondere der kurzlaufenden Anleihen von Italien und Spanien geführt. An dieser Erholung kann auch ERGO im 1. Quartal teilnehmen.
  • ERGO hat nach sorgfältiger Abwägung der Chancen und Risiken für Versicherte und Aktionäre dem freiwilligen Schuldenschnitt für Griechenland zugestimmt. Der Bestand an Griechenland-Anleihen ist bereits zum Jahresende 2011 auf den Marktwert abgeschrieben worden, somit wird der Schuldenschnitt kaum mehr Einfluss auf das Ergebnis 2012 haben.
  • Unsere Lebensversicherer legen den größten Teil ihrer Kapitalanlagen in sichere Zinspapiere an und sind daher von den derzeit geringen Renditen stark betroffen. Ein Ende der Niedrigzinsphase ist vorerst nicht in Sicht.
  • Überschüsse, die ein Kunde bereits zugeteilt bekommen hat, bleiben selbstverständlich erhalten. Wegen des weiterhin niedrigen Zinsniveaus werden jedoch zukünftige Erträge geringer ausfallen.
  • Für Neukunden in der Lebensversicherung werden standardmäßig Modellrechnungen mit der Annahme erstellt, dass die aktuell erklärte Überschussbeteiligung auch für die Zukunft gilt. Ab Juni werden wir unsere Neukunden darauf hinweisen, dass aufgrund der anhaltend niedrigen Zinsen am Kapitalmarkt eine Reduzierung der Überschussanteilssätze für das jeweils kommende Jahr erforderlich werden kann. Auch hierbei steht der Transparenzgedanke gegenüber unseren Kunden im Vordergrund.
  • Unsere Kapitalanlagen werden - ebenso wie die Verpflichtungen gegenüber unseren Versicherten - fast ausschließlich in Euro gehalten. Bei Anlagen in außereuropäischer Währung haben wir uns gegen Währungsschwankungen umfänglich abgesichert.
  • Mit speziellen Absicherungsinstrumenten stellen wir sicher, dass die garantierte Verzinsung im Umfeld niedriger Zinsen erreicht wird. Die Laufzeiten der Absicherungen haben wir an geänderte Strukturen der Zahlungsströme aus unseren Kapitalanlagen und Versicherungsverträgen angepasst. Im 1. Quartal wurden keine neuen Absicherungsinstrumente erworben.
  • Zusätzlich mindern wir das Zinsänderungsrisiko mit einer weiteren Angleichung der Laufzeitenstruktur unserer Kapitalanlagen an die typischerweise längeren Laufzeiten unserer Kundenverpflichtungen ab. Auch im 1. Quartal erfolgten Verlängerungen im Rahmen der Neuanlage.
  • Die Verzinsung unserer im Bestand gehaltenen Bundesanleihen und Pfandbriefe liegt über dem aktuellen Marktzinsniveau. Daher liegt der aktuelle Marktwert ("Zeitwert") über dem Wert, mit dem die Papiere in der Bilanz ausgewiesen sind ("Buchwert") und es entstehen hierfür positive Bewertungsreserven.
  • Weitere Erläuterungen zum Begriff der Bewertungsreserven und zu deren Entstehung sowie eine Übersicht zur Entwicklung der gesamten Bewertungsreserven unserer Lebensversicherer finden Sie hier.
  • Derzeit halten unsere Lebensversicherer keine US-Staatsanleihen. Auch das Anlagevolumen in Anleihen jenseits der öffentlichen Hand ist nur gering. Die Situation in den USA wird von uns dennoch weiterhin aufmerksam verfolgt, und bei Bedarf werden mögliche Handlungen abgeleitet.
  • Unternehmensanleihen werden als Beimischung zur Renditesteigerung genutzt.
  • Infolge unserer auf Sicherheit ausgerichteten Anlagepolitik halten unsere Lebensversicherer insgesamt nur einen sehr geringen Aktienanteil. Der Schwerpunkt unserer Aktienanlagen liegt weiterhin bei Titeln im europäischen Leitindex EuroStoxx50.
  • Freies Kapital investieren wir weiterhin in sichere festverzinsliche Titel. Mit Blick auf die Fortdauer der Eurokrise und eine bessere Streuung der Kapitalanlagen sollen Neuanlagen in sichere Papiere vermehrt jenseits der Eurozone erfolgen.

ERGO gehört wie dessen professioneller Kapitalanleger MEAG zur finanzstarken MunichRe-Gruppe. ERGO verfolgt eine risikobewusste Kapitalanlagestrategie. Damit sind unsere Lebensversicherungsprodukte, die garantierte Leistungen mit einer attraktiven Verzinsung verbinden, selbst in turbulenten Zeiten sichere Anlagen für unsere Kunden.

Stand: 10. April 2012